Eine Frage der Priorität

Keine Zeit, sich um die Verwirklichung der eigenen Ziele zu kümmern? Einfach zu wenig Geld, um davon auch noch etwas zu sparen? Das mit der Diät hat schon wieder nicht geklappt, weil etwas dazwischen kam?

Wer mich kennt, kennt auch meinen Lieblingsspruch dazu. „Alles eine Frage der Priorität.“ Und das meine ich nicht böse oder ironisch, sondern ich bin fest davon überzeugt, dass es sich genau so verhält im Leben. Wir haben fast immer die Wahl: Wie viele Leute, die „keine Zeit“ für irgendetwas haben, „entspannen“ sich regelmäßig vor dem Fernseher? Und wie viele Leute haben zwar „kein Geld“, aber einen neuen Flachbildfernseher?

Ich glaube, dass wir im Leben immer wieder vor der Wahl stehen, und dass was wir tun, nicht was wir sagen, zeigt, wo unsere Prioritäten liegen. Am Ende bestimmt jede einzelne dieser Entscheidungen unser Schicksal. Wer permanent mehr Geld ausgibt als er einnimmt, sucht sich die Pleite selbst aus. Da liegt aber auch die Chance: Genauso kann ich mir aussuchen, nicht pleite sein zu wollen und danach handeln. Alles andere sind Ausreden.

Die Dinge, für die ich mein Geld ausgebe oder mit denen ich meine Zeit verbringe sind offenbar die, die mir wirklich wichtig sind. Passen die zu meiner persönlichen Liste von Zielen und Werten? Wenn nicht, bin ich vermutlich in Schwierigkeiten…

Eine einfache Hilfe zur Priorisierung von Zielen bietet auch der Prioritizer, in dem man seine Ziele als Liste eingibt und dann jeweils zwischen zwei Optionen entscheidet, was einem wichtiger ist. Das Ergebnis ist eine gewichtete Liste der eigenen Eingaben. (Das Interface ist zwar englischsprachig, aber die Eingaben dürfen auch deutsch schein).

Aber mein Einkommen ist zu niedrig? – Wo liegt meine Priorität? Ein stressfreier Job mit viel Freizeit und geringem Verdienst? Dann muss ich eben meine Ausgaben einschränken. Oder ist meine Priorität, mir all die hübschen Extras leisten zu können? Dann muss ich mich hinsetzen und überlegen, woher das zusätzliche Geld kommen soll (Vielleicht aus einem Nebenjob?). Beide Optionen sind legitim, ich muss nur erwachsen genug sein, zu sehen, dass ich nicht beides auf einmal haben kann, sondern mich bewusst für eines entscheiden.

Aber ich bin… alleinerziehend, arbeitslos, etc., deswegen kann ich einfach nichts an der Situation ändern? – Wenn ich nichts ändern kann, wer dann? Der Staat wohl kaum. Die Tatsache, dass eine Situation schwierig ist, heißt nicht, dass es nicht doch noch ein paar kleine Stellschrauben gibt, an denen ich drehen kann.

Jeder hat seine eigene Ausrede, ich auch. Aber jeder hat auch die Wahl.

Schuldenfrei mit dem Debt Snowball

Das Wort Schneeballsystem hat im Deutschen einen unangenehmen Beigeschmack, daher bleibe ich lieber bei dem Begriff „Debt Snowball“. Dieses System stellt eine Hilfe bei der Bewältigung von Schulden und Kreditraten dar und wurde vor allem durch den amerikanischen Autor und Radiomoderator Dave Ramsey bekannt gemacht, der in seiner Radioshow mit Anrufern über Finanzthemen spricht. Es gibt sogar einen Podcast zur Radiosendung – auf englisch natürlich.

Auch in bei uns verlieren mehr und mehr Leute den Überblick über ihre Schulden oder fragen sich, was der beste Weg aus den Schulden ist. 

Schritt eins ist auf jeden Fall, dafür zu sorgen, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, einerseits durch Sparen und notfalls auch, indem die Einnahmen mit Hilfe eines Zweitjobs erhöht werden.

Der Debt Snowball ist dann eine Methode, die Schulden bzw. Kredite zu ordnen und nach einem bestimmten Schema abzuzahlen, um angesichts des zunächst unüberwindlich scheinenden Berges an Schulden möglichst schnell erste Erfolge zu sehen und bei der Stange zu bleiben. Das Vorgehen dabei ist:

  1. Kredite / Schulden aufsteigend nach der Höhe des noch abzuzahlenden Betrages sortieren, also den kleinsten Betrag zuerst.
  2. Feststellen, welche monatlichen Raten für die einzelnen Kredite fällig sind bzw. mindestens gezahlt werden sollen
  3. Festlegen, welcher Betrag monatlich zusätzlich für Sondertilgungen zur Verfügung steht.
  4. Für alle Kredite bis auf den mit dem geringsten Restbetrag werden die normalen Raten gezahlt.
  5. Für den niedrigsten Kreditbetrag wird neben der normalen Rate der für Sondertilgungen festgelegte Betrag gezahlt, bis dieser Kredit abbezahlt ist.
  6. Wenn der erste Kredit vollständig bezahlt ist, wird der Betrag, der für dessen Abzahlung bisher fällig war und das Geld für Sondertilgungen zusätzlich zum Abzahlen des nächst niedrigen Kredites verwendet. 
  7. So geht es weiter, bis alles bezahlt ist.

Die Idee dabei ist, dass die Raten für die größeren Schuldbeträge auf diese Art in dem Maße wachsen können, wie die kleineren Beträge abbezahlt sind. So sieht man schnell einen echten Fortschritt, was sehr motivierend ist. 

Ein Beispiel:

  • Autokredit Restbetrag 18.000 € – monatliche Rate 450 €
  • Dispo 1600 € – monatliche Rate kann selbst bestimmt werden
  • Ratenkauf Fernseher Restbetrag 200 € – monatliche Rate 100 € 
  • Konsumentenkredit 5.000 € – monatliche Rate 150 € 

Für die Schulden stehen monatlich 900 Euro zur Verfügung, also werden die Kredite wie folgt geordnet (da der erste Kredit ohnehin in zwei Monaten zu Ende ist, gehen dorthin keine Extrazahlungen mehr, um die Sache einfach zu halten):

  • Ratenkauf Fernseher Restbetrag 200 € – monatliche Rate 100 € 
  • Dispo 1600 € – anfänglich 200 € monatlich
  • Konsumentenkredit 5.000 € – monatliche Rate 150 €
  • Autokredit Restbetrag 18.000 € – monatliche Rate 450 € 

Nach zwei Monaten kann der Betrag für den Dispo auf 300 € erhöht werden, nach weiteren vier Monaten können diese 300 € monatlich zusätzlich für den Konsumentenkredit verwendet werden – und so weiter. Das Erfolgserlebnis dabei ist, dass in diesem Beispiel schon nach sechs Monaten zwei der Kredite komplett zurück gezahlt sind, und dann das Abzahlen der weiteren Schulden plötzlich sehr schnell geht.

Sparraten können wärend des Abzahlens der Kredite ausgesetzt werden, da meist die Rendite einer Geldanlage einige Prozente niedriger liegt als Kredit- oder Dispozinsen, die häufig über 10% betragen. Auf diese Art wird zusätzliches Geld zum schnellen Abzahlen der Kredite frei.

Apropos, wenn es rein nach den Zahlen ginge, müssten die Kredite nach Höhe der Zinsen geordnet werden, mit den höchsten Zinsen zuerst. Die Schwierigkeit ist aber, dass das nicht unbedingt der menschlichen Psychologie entspricht. Es ist viel motivierender, den ersten Kredit und dann immer weitere fertig bezahlt zu haben als abstrakt möglichst viel Zinsen zu sparen. Deswegen kümmert man sich zuerst um den niedrigsten Kredit.

Wenn dann alle Kredite abbezahlt sind, ist es Zeit, darüber nachzudenken, welches die nächsten Anschaffungen sein sollen – und für diesen Zweck zumindest einen Teil des bisher für die Raten verwendeten Geldes auf ein Tagesgeldkonto einzuzahlen – damit es gar nicht erst wieder zu neuen Schulden kommt. Immerhin bist Du in ja bereits daran gewöhnt, ohne dieses Geld auszukommen. Und vielleicht ist auch noch eine Flasche Champagner drin, um diesen Moment gebührend zu feiern.

Was es wirklich kostet, Schulden zu haben

Geld zu leihen, kostet Zinsen. Das ist jedem klar, und an sich noch kein Problem. Allerdings reicht die Spanne von 5% bis 30% Zinsen pro Jahr, und da fängt es an, interessant zu werden.

Der Kredit, den fast jeder von uns nutzt, ist der Dispositionskredit – das „überzogene“ Konto. Die Konditionen gehen von um die 8% bis 15%. Das klingt nicht nach einem wirklich wesentlichen Unterschied, oder? Aber bei nur 2000 Euro „Miesen“, sind das beim günstigsten Anbieter 160 Euro Zinsen und beim teuersten 300 Euro und mehr. Ein ziemlicher Unterschied für die gleiche Leistung. Und eigentlich ganz schön viel Geld. Darüber habe ich mir früher nie Gedanken gemacht, es „war halt einfach so“, und schien nicht zu ändern. In Wahrheit ist es natürlich doch zu ändern: Ich habe meinen Dispo zurückgezahlt und mein aktuelles Konto besitzt absichtlich keinen Dispo mehr – so muss ich jeden Monat genau haushalten und gebe einfach nicht mehr Geld aus, als ich einnehme. Noch deutlich teurer wird es übrigens, wenn man die so genannte „geduldete Überziehung“ über das Dispo-Limit hinaus in Anspruch nimmt: da können es leicht auch mal 19% Zinsen sein.

Interessant fand ich übrigens immer, dass meine frühere Bank Lastschriften mangels Deckung nicht eingelöst hat – zum Beispiel die Telefonrechnung – aber die Quartalsabrechnung für das Konto mit Gebühren und Zinsen ging trotzdem immer noch runter. Wofür mir dann weitere Zinsen berechnet wurden.

Auch der typische Ratenkauf kann so eine teure Angelegenheit sein. Der vermeintlich „kleine Aufpreis“ für die Finanzierung eines Produkts, das man sich eigentlich nicht leisten kann, sorgt dafür, dass man sich am Ende noch weniger leisten kann, als bei Barzahlung – obwohl es sich genau umgekehrt anfühlt. Je nach Anbieter kommen hier inklusive Gebühren, Versicherungen, etc. auch mal 30% Zinsen pro Jahr zusammen. Konkret bedeutet das, dass das finanzierte Objekt nach drei Jahren fast zwei mal bezahlt ist!

Rechnungen nicht pünktlich zu zahlen, kann ebenfalls eine ganz schön teure Angelegenheit sein. Zum Beispiel meine Umsatzsteuer-Voranmeldung: Die ist einmal im Quartal zu einem festen Termin fällig. Wenn ich die einmal unpünktlich abgebe, drückt das Finanzamt ein Auge zu. Beim zweiten Mal zahle ich schon 10 Euro Verspätungszuschlag. Danach wird es richtig teuer.

Und ich erinnere mich, dass ich einmal vor ewigen Jahren ein Kleid bei einem Versender bestellt habe, und dann kam finanziell gesehen irgendwas dazwischen, so dass ich die Rechnung nicht zahlen konnte. Das Kleid hätte nur 70 Mark gekostet, aber ich habe so lange gewartet, bis die Angelegenheit bei einem Inkasso-Büro war, das natürlich Gebühren und Zinsen und alles Mögliche berechnet hat, so dass am Ende 150 Mark fällig waren. Blöd, oder? Denn natürlich musste ich irgendwann die komplette Summe zahlen – mehr als das doppelte dessen, was das Kleid ursprünglich kosten sollte. Inkassobüros kaufen den Versandunternehmen solche Forderungen ab, um sie selbst einzutreiben, weil die Gebühren ein extrem lohnendes Geschäft sind. Und dafür ist mir mein Geld inzwischen zu schade. Ich sorge jetzt dafür, dass ich genug Geld habe, um eintreffende Rechnungen pünktlich zu bezahlen und mir Verspätungszuschläge zu ersparen. Anders ausgedrückt: Ich kaufe nur Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie auch bezahlen kann.

Bei stern.de habe ich kürzlich eine (nicht mehr ganz neue) Story über ein Schuldnerehepaar gelesen, dass im Laufe der Jahre immer tiefer in den Schuldensumpf rutschte – und einen großen Anteil daran machten neben den Zinsen vor allem auch die Nebenkosten und Gebühren aus:

„Pleite zu sein ist teuer. Jedenfalls wenn man mit den Gläubigern kein Stillhalten verabreden kann. Ein profanes Beispiel: die Rechnung eines Rechtsanwalts, der eine Forderung seines Mandanten gegen Rattmanns eingetrieben hatte. Eine Rechnung über 50,75 Euro. Rattmanns bezahlten nicht. Gebühr für den Mahnbescheid: 29,40 Euro. Gerichtskosten: 12,78 Euro. Gebühr für Vollstreckungsbescheid: 14,72 Euro. Kosten für den Antrag auf Zwangsvollstreckung: 11,76 Euro. Gebühr für eine eidesstattliche Versicherung der Rattmanns, dass bei ihnen nichts zu holen ist: 11,76 Euro. Dafür anfallende Gerichtskosten: 17,90 Euro. Kosten für Gerichtsvollzieher: 22,85 Euro. In kaum drei Monaten hatte sich die Forderung von 50,75 Euro mehr als verdreifacht: auf 171,92 Euro. Nach sechs weiteren Versuchen des Anwalts, das Geld inklusive weiterer Gebühren einzutreiben, stehen Rattmanns mit 597,34 Euro in der Kreide. Eine Steigerung um 1077 Prozent.
Aufs Ganze gerechnet, ist die Sache noch eindrucksvoller. Von den 64 145,53 Euro, die als Schulden zu Buche stehen, sind 7734,84 Euro aufgelaufene Zinsen. Stattliche 11 280,16 Euro aber betragen die Kosten für Mahn- und Vollstreckungsbescheide, für Anwälte, Inkassodienste, Gerichte und Gerichtsvollzieher.“

Vielleicht öffnet das dem ein oder anderen die Augen: Mehr Geld auszugeben als man besitzt ist unglaublich teuer! Und dabei habe ich kein Wort verloren über den emotionalen Stress den es bedeutet, wenn Du nicht weißt, wie Du die Rechnungen, die täglich im Briefkasten landen, je bezahlen sollst. Wenn es so weit ist, dass Rechnungen ungeöffnet in der Ablage landen, ist das ein Zeichen für eine Überschuldungssituation, dass durchaus ernst genommen werden sollte. Denn die Sache schleifen zu lassen macht es nur noch schlimmer. Schuldnerberatungsstellen bieten kostenlos Hilfe in solchen Situationen an.

Kauf auf Raten – ein schlechter Plan

Da steht im Elektronikfachmarkt dieser wunderbare HD-Flatscreen oder DVD-Recorder, nach dem man schon so lange giert, und es lockt das Preisschild mit „nur 19 Euro monatlich“ – das klingt natürlich erstmal günstig. Aber diese Rate ist 36 Monate, also 3 Jahre lang, zu zahlen. Um festzustellen, was die wahren Kosten dieses anscheinend günstigen Angebotes sind, ist keine große Rechenkunst nötig: In den 36 Monaten kommen insgesamt 689,- Euro zusammen. Eine Preisrecherche im Internet liefert die Information, dass der DVD-Recorder normalerweise zum Preis von 389,- Euro zu kaufen ist. Macht exakt 300 Euro Zinsen in den 3 Jahren, demnach ein effektiver Jahreszins von über 25%!

Noch interessanter wird die Rechnung anders herum: Wenn ich den Player jetzt noch nicht kaufe, sondern stattdessen 19 Euro monatlich anlege, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto mit 4% Zinsen, hätte ich die 389 Euro nach 20 Monaten zusammen. Mein nächster Gedanke: Wenn ich 19 Euro im Monat zurück legen kann, dann vielleicht auch 29 – und schon reicht ein Jahr, um das nötige Geld zu sparen. Bis dahin gibt es zum gleichen Preis bestimmt sogar ein besseres Modell…

Allerdings klingt es heutzutage ziemlich spießig, auf etwas zu sparen, anstatt sich „seine Wünsche sofort zu erfüllen“, wozu wir ständig von der Werbung ermuntert werden.

Während meines Studiums, als ich nicht viel Geld zur Verfügung hatte, habe ich auch einen Videorecorder „geleast“, weil ich dachte, den brauche ich, ohne groß darüber nachzudenken. Die Unterlagen über die genauen Raten konnte ich jetzt leider nicht mehr finden, aber ich erinnere mich, dass ich jahrelang dafür gezahlt habe, leider auch dann noch, als ich den Recorder schon gar nicht mehr besaß, nachdem mein dann Ex-Freund ausgezogen war und den Recorder mitgenommen hatte. Eine unschöne Erfahrung, die ich mir wirklich hätte sparen können.

Diesen Ratschlag wird man auch von den meisten Finanzexperten bekommen: Konsumschulden, also Schulden für Dinge, die nicht an sich einen Wert darstellen sondern Ihren Wert durch Benutzung oder Verbrauch verlieren, können der erste Schritt in die Schuldenfalle sein. Teures Technikspielzeug oder andere Wünsche durch Ratenkauf oder Leasing zu finanzieren, befriedigt zwar das spontane Bedürfnis, etwas JETZT zu besitzen, aber letztlich zu einem hohen Preis: Am Ende kann man sich auf die Art nicht mehr leisten, sondern weniger, denn zusammen mit den Zinsen kommt jeder einzelne Kauf ja wesentlich teurer als bei Barzahlung. Dabei suggeriert die Werbung das glatte Gegenteil.

Wer monatlich Geld als Notgroschen zurücklegt, dessen Wahrnehmung wird sich allerdings schnell ändern. Es ist einfach ein gutes Gefühl, für unvorhergesehene Ausgaben gerüstet zu sein oder sich dann doch den neuen DVD-Rekorder aus dem Ersparten zu gönnen. Es könnte aber passieren, dass man ihn dann gar nicht mehr so dringend will, weil man plötzlich Spaß am Geld behalten statt am Geld ausgeben gefunden hat…

Mein Rat: Fang JETZT an, Geld zurück zu legen. Wenn für den Ratenkauf Geld da gewesen wäre, ist auch Geld zum Sparen vorhanden. Ich habe es mir zu Regel gemacht, grundsätzlich nur noch etwas zu kaufen, wenn ich das Geld dafür habe.